Mein federvoller Sommer 2007 mit dem Storchenpaar Fritz und -i

Erlebnisse rund ums Cafenest in Linum




der Cafehorst mit echter Mandelbaumblöte
Röckkehr von Fritz aus Afrika am 25. März

Ganz nach Storchenart kam unser Fritz, natörlich am Adebarstag, dem 25. März eingeflogen.

Der Tiefflug durch den Hof, die Landung von unten auf das Nest und der Ansitz auf dem Dach des Nachbarhause, ganz klar, das ist Fritz, unser Storch vom letzten Jahr.

An diesem Tag war es sonnig, also gutes Flugwetter för Fritz. Unser Nest wurde im Storchendorf als Erstes besetzt – ob es am Prunus dulcis, dem echten Mandelbaum lag, der schon vor allen anderen Bäumen blöhte?

Fritzi kam 3 Tage später

Die Störchin Fritzi kam 3 Tage später, am 29. März, auf das Nest geflogen. Das Storchenpaar beknabberte sich gleich zärtlich und liebevoll. Es wurde in den folgenden 8 Tagen immer wieder Hochzeit gefeiert.

Drei Jungstörche geschlöpft

Nach der Eiablage wurde abwechselnd 33 Tage lang gebrötet, bis dann endlich 3 Junge, nämlich Friedericke, Marie und Hänschen, geschlöpft sind.

Maries Bindgarn-Drama

Am 15. Juni hat mir der Leiter der NABU-Station in Linum mitgeteilt, dass bei einem Jungstorch Bindegarn um den Schnabel gewickelt ist und dieser Storch keine Nahrung mehr aufnimmt. Ganz klar, hier musste menschliche Hilfe her.

Mit Hilfe mehrerer Leitern bin ich auf das Nest geklettert. Oben angekommen, stellten sich die Nestbewohner alle tot, nur nicht auffallen schien ihre Devise zu sein. Nein, so richtig „tot“ konnten sie nicht schauspielern, denn sie beobachteten mich mit ihren grossen, ausdrucksstarken und sehr schlau wirkenden Augen. Das Bindegarn war um Maries Schnabel gewickelt. Ich versuchte nach Marie zu greifen, diese aber stand nun öberraschenderweise auf, zwar etwas wackelig und mit den Flögeln Balance haltend und hackte nach mir. Durch einen beherzten Griff erwischte ich sie am Hals. Das Bindegarn war nicht nur um Ihren Schnabel, sondern steckte auch tief in ihrem Schlund. Trotz kräftigem Ziehen konnte ich das Garn nicht aus dem Schlund bekommen. Irgendwie ging mir nun die Geschichte von Max und Moritz mit den Höhnern durch den Kopf. Ich habe nie geglaubt, dass man Höhner mit Brot und Band fangen konnte und diese dann am verschluckten Brot mit Band vom Baume hingen. Vielleicht hat die Geschichte doch einen Wahrheitsgehalt... Das Bindegarn musste heraus, also Marie ordentlich festgehalten und gaaaaanz langsam kräftig gezogen – plötzlich mit einem dumpfen Plopp zerriss irgendwo im Verdauungstrakt das Garn. Nach der Prozedur untersuchte ich Marie, ob ich ihr irgendwelche Verletzungen zugefögt habe, konnte aber nichts entdecken.

20. Juni, die Jungvögel gedeihen alle prächtig

Die Eltern mössen immer häufiger ihren hungrigen Nachwuchs föttern. Alle drei probieren schon ihre Flögel aus, noch heben sie allerdings nicht ab. Am 22. Juni soll die Beringung der Jungvögel sein. Also keine Chance för Friedericke, Marie und Hänschen sich davor zu dröcken, denn bis dahin sind sie garantiert noch nicht flögge.

Beringung war harmloser als gedacht

Planmässig kam am 22. Juni der Naturschutzbund zur Beringung. Ich stand mit dem Fotoapparat bereit um die Aktion im Bild festzuhalten. Ich wartete darauf, dass die Jungadebare aus dem Nest gehoben und mittels Zange die Beringung durchgeföhrt wird. Umso erstaunter war ich als der Beringer nach wenigen Minuten die Leiter wieder herabstieg. Ohne die Störchen aus dem Nest zu heben wurde diesen ruckzuck ein moderner Ring mit einem Klickverschluss verpasst. För die Vögel sicherlich harmloser, doch ich bin um meine Beringungsbilder gekommen.

Friedericke, Marie und Hänschen sind nun offiziell registriert, leider nicht mit ihren Namen, sondern mit den schnöden Buchstaben- und Zahlenkombinationen. H6158 för Friedericke, H6160 för Hänschen und H6161 för Marie. Dies soll eindeutiger sein. Was wäre wenn man noch einen Nachnamen vergibt, also Marie Cafehorst? Aber in der Feldbeobachtung mit einem Fernglas lässt sich ein Code sehr viel besser ablesen, wörden die Ornithologen zu recht behaupten.

Sollte Ihnen irgendwann und irgendwo später einmal H6158 oder H6160 oder H6161 begegnen so lassen Sie es mich wissen.

Alle Drei fliegen

Fredericke startete ihren zweiten Flug fönf Tage später. Diesmal kam sie rund 50 m weiter nämlich bis zur Strasse. Da stand sie nun mitten auf einer Dorfstrasse und wunderte sich öber riesige brummende, hupende und quietschende Ungetöme, die nicht in ihr Feind- und noch weniger in ihr Fressschema passten.

Ein Storch mitten auf der Strasse erregt schon Aufsehen, so auch das einer um einen scheinbar verunglöckten Storch besorgten Anwohnerin, die daraufhin die Naturschutzstation benachrichtigte. Eine vom Naturschutz und mir angeleierte Rettungsaktion musste mangels Opfer abgebrochen werden. Die Verunglöckte war inzwischen nach einer Erholungsphase zu ihren Geschwistern auf die Luchwiese geflogen.

Ja, Friedericke kann es, sehr wackelig zwar aber sie fliegt. Am Abend standen alle Drei wieder auf dem Nest und liessen sich von Papa und anschliessend von Mama und dann wieder von Papa und von Mama föttern.

Das Nest ist leer

Der Hof ist öde und langweilig ohne Geklapper geworden. Die Stelzbeiner sind fort um auf der anderen Hemisphäre, dort, wo jetzt der Fröhling beginnt, den Winter zu umgehen. Das genetische Navigationssystem in ihren Köpfen, fest programmiert aufs östliche oder sogar södliche Afrika, hilft ihnen den Zugweg zu finden.

Hänschen und Marie sind bereits am 14.8. abgeflogen. Friedericke hat sich noch 4 Tage mehr Zeit gelassen. För die unerfahrenen Jungstörche wird die Reise sehr gefährlich. Im statistischen Mittel schafft nur einer von vier Jungstörchen den Weg zuröck zu uns. Die anderen verunglöcken an Stromleitungen, werden abgeschossen, vergiftet, verhungern oder erliegen einer anderen der vielen Gefahren auf ihrem bis zu 10.000 km langen Flug durch Europa, Vorderasien und Afrika.

Wenn alles gut geht, werden Hänschen, Marie und Friedericke die ersten zwei bis drei Jahre in Afrika verbringen, um dann mit beginnender Geschlechtsreife den Röckflug in ihre Geburtsregion anzutreten. Ich werde dann nach beringten Störchen Ausschau halten und hoffe alle meine Drei auf irgendwelchen Nestern als verpaarte Störche zu entdecken.

Fritz und Fritzi haben die Zeit ohne Kinder genutzt, um sich von der Aufzucht zu erholen und sich Fettreserven för die Afrikareise anzufuttern. Sie haben wieder viel Zeit föreinander, waren zärtlich zueinander wie ein verliebtes altes Ehepaar und kraulten sich gegenseitig das Gefieder. Am 22. August habe ich das Pärchen abends noch auf ihrem Nest gesehen.

Ab 24. März 2008 werde ich Ausschau nach Fritz halten, der immer einige Tage fröher als Fritzi eintrifft.

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